Erlebnisberichte

Neuer Erlebnisbericht:
 
Ich war von Mai 82 bis Oktober 83 in der zweiten Kompanie der 19, VPB „Robert Uhrig“. Wir hatten damals das „Glück“ in Berlin-Blankenburg kaserniert gewesen zu sein. Glück darum weil es ein Ausweichobjekt war, denn in diesen Jahren wurde das neue Gebäude in Basdorf hochgezogen und weiteres Glück für mich war, da ich aus Berlin-Weißensee kam, konnte ich jeden Ausgang, als Heimaturlaub genießen. Kompaniechef war wie bereits in einem vorhergehenden Beitrag erwähnt Major Thießen, ein recht verträglicher Typ, auch Papa Thießen genannt, Chef der 19. VPB war OSL Busch und mein Zugführer Oberleutnant bzw. Hptm. Rechtazeck, ein Draufgänger und notorischer Kettenraucher. Schlimm für uns wurde es mal (zum Glück für eine relativ kurze Zeit), als er mal versuchte das Rauchen aufzugeben. Keine Pausen mehr und voll gereizt. Aber wie gesagt die Phase dauerte nicht lange. Ansonsten waren gerade die vielen Wachdienste, ob zur Objektsicherung in Blankenburg, die Bewachung des Polizeipräsidiums am Alex, oder die Bewachung des „Versorgungslagers“ in Berlin-Malchow (hier wusste niemand, was wir hier wirklich bewachten-scharfe Hunde am Innenzaun bzw. Mauer) recht eintönig. Bei einem der Dienste am PdVP passierte es mir dann auch, nach unzähligen Wachdiensten mal, dass ich in einem der mit Bahnheizkörpern beheizten Postenhäuschen wegnickte und das auch prompt einer von unseren geliebten „Waffenbrüdern“ in Zivil mit dem kleinen Dienstausweis ohne Namen registrierte  und mich beim diensthabenden Offizier anschiss. Zum Glück  hatte der Verständnis fur uns und haute mich da raus. Den wohl heftigsten Einsatz hatten wir mal kurz nach Tageseinbruch, so gegen 02.00 Uhr. Die letzten Ausgänger waren gerade in die Kaserne zurückgekehrt, natürlich wie immer sturz besoffen und unter ihnen unser Wuffi-Fahrer. Einsatzbefehl, angeblich drei geflohene Strafgefangene an der noröstl Seite von Berlin (muss so im Bereich heutige B1/B5 gewesen sein) dingfest zu machen. Ich glaube es ging eher darum, dass ein paar Russen abgehauen waren. Wie gesagt unser Kutscher hatte mindestens fünfacht im Turm, musste aber die vollbesetzte Karre mit mindestens zwanzig voll aufmunitionierte Mann an Bord und jede Mengen Kisten an Sondereinsatzmaterialien, wie Nagelketten (Reifentöter), Absperrmaterialien usw.  an den Einsatzort bringen. Naja bis auf ein paar kleinere Notbremsungen kamen wir dann auch zum Glück heil an und der Einsatz konnte dann auch noch kurz vor dem Einsetzen des großen Berufsverkehrs  abgeblasen werden.

Tja auf der Bude waren wir ein gutes Team, Gruß an Alex, Thomy oder auch Charly unserer Mann von der FFW Hohenschönhausen, Thomas und natürlich unseren Kutscher Dreihaupt. Die anderen Namen habe ich leider nicht mehr drauf. Aber vielleicht meldet sich ja noch jemand.

Gruß Steffen ich glaube der kleenste in der Kompanie, aber ne Uniform hatten sie noch für mich.

----------------------------------

Amnestie-Arbeitseinsatz in Bautzen II

Ich war Aufgrund einer Amnestie für Strafgefangene im Winter 1987/ 1988 in Bautzen II als Ersatzarbeitskraft mit unserer gesamten Kompanie verbracht worden. Wir waren in einem Heim/ GST-Heim oder so etwas ähnlichem in Schirgiswalde kasernenartig für zwei Wochen untergebracht. Baracken, 2-geschoßig. Kleine Zimmer mit 8 Leuten. Ein provisorischer Klub wurde eingerichtet. Am ersten Abend kamen wir spät an. Es gabe eine "Einweisung" in einem Gebäude der Knastverwaltung in der Bautzener Innenstadt. Die Blauuniformen hatten uns belanglose Sachen erklärt. Es wirkte alles sehr überfordert und Massenabfertigungsmäßig. 

Morgens gings los auf völlig überfüllten LO´s, teilweise auf dem Boden sitzend. Im Knast angekommen, ging es zunächst minutenlang durch eine Schleuse. Dann wieder warten. Die Gemäuer waren grauenhaft. Kurz vor der Werkhalle dann wieder warten. Angeblich sollten da jeweils noch die Vorschicht der Gefangenen rausgeholt werden. Das konnte schon mal zwei Stunden dauern. Gesehen haben wir nur vereinzelt in Marschierformation vorbeiziehende Gefangene mit Uniformen ohne Schulterstücke und gelben Streifen auf dem Rücken und Armen. Im Prinzip wie wir in Zugformation (3 Gruppen nebenbeinander). 

In der DDR-typischen Werkhalle bekam jeder seinen Platz. In den 14 Tagen hat das glaube ich auch mal gewechselt. Ich war aber immer an einer Stanze, die Mähdreschermesserhalterungen (hat man mir jedenfalls so gesagt) kalibiriert hat. Die Öffnung wurde ins richtige Maß nachgedrückt. Stubide aber alle Mal besser, als Sturmbahn. Ein kleiner Pausenraum lud oftmals zum Abhängen. Es wurde zum Ende hin immer lockerer. Einen blöden Job hatten die in der Lackierei eingeteilten. Die Messerhalter wurden dort grün gespritzt. Arbeitsende bedeutete wieder langes Warten an Schleusen auf der Pritsche des LO. Unser Zugführer und die drei Gruppenführer hatten die Aufsicht. Vom Gefängnisspersonal lies sich niemand blicken. Lediglich eine "Zivilangestellte" in der Kantine auf gleicher Etage ist mir in Erinnerung. Das Fenster dort war vergittert und zeigte direkt auf eine öffentliche Straße. Alles war sehr schmutzig und finster.


Erinnern kann ich mich an eine Art "Verkaufsstelle" auf dem Gelände. Es war eine kleines Extrahaus, wo man sich etwas kaufen konnte. Milch, Kekse, Schokolade.... Einschließlich geschlossenem Anstehen und Abrücken im Freien auf dem Hof. Das war übrigens die einzige Gelegenheit, vorbeimarschierende Gefange zu sehen.

Es gab nicht viel Freizeit. Eigentlich kann ich mich nur an zwei Abende mit je einer Stunde erinnern, an der wir gesammelt in die Bautzener Innenstadt unter Begleitung durften. Natürlich DDR Typisch in Uniform. Den älteren Wehrdienstleistenden mit Familien sollte wohl die Gelegenheit zum Kauf von Weihnachtsgechenken gegeben werden.

Alles in allem die totale Ausnutzung und Mißachtung der Individualität von Menschen. Selbstdarsteller und vermeintliche Führungspersönlichkeiten zeigten mal wieder ihre "Intelligenz". Kein Wunder, dass der ganze Unsinn zwei Jahre später am Ende war. Ein Wunder dagegen, dass es so lang angedauert hat.

-----------------------------------

IFA G5 Tankwagen. Quelle: wikipedia.de
G5 Lastzug und Wasserwerfer

Von Mai 68 bis Oktober 69 musste ich meinen Wehrdienst in der Basdorfer Kaserne ableisten. Nach der 4-wöchigen Grundausbildung kam ich zum Pionierzug innerhalb der Stabskompanie. Wir waren in barackenähnlichen Gebäuden untergebracht. Ich meine unser damaliger Zugführer war Oberleutnant Schneider. Ich war einer von den 4 Kraftfahrern in unserem Pionierzug und "durfte" den G5 Lastzug fahren, was mir eigentlich auch Freude gemacht hat, wenn es nicht innerhalb der Wehrpflicht gewesen wäre. Daraus resultierte sicher auch, dass ich nach meiner Entlassung bis vor kurzem fast 43 Jahre als Busfahrer tätig war. Mit Wache schieben hatten wir Pioniere weniger zu tun. Lediglich die Objektfeuerwache mußten wir oftmals absichern, wozu ein G5-Tanklöschfahrzeug zur Verfügung stand. Noch gut erinnern kann ich mich an den Verantwortlichen für die Feuerwache, es war ein recht gut genährter Berufspolizist mit Namen Kreinsen, damaliger Dienstgrad Meister der VP. Leider habe ich den Namen des Chefs unserer Bereitschaft vergessen ich glaube sein Dienstgrad war Major. Chef für das gesamte Objekt (3 Bereitschaften) war seinerzeit Oberstleutnant Käpernik. Meine "Leidensgenossen" innerhalb von 2/67 und 1/68 waren fast alle, wie auch ich, Kameraden aus dem Erzgebirge bzw. Sachsen. Da, wie man damals munkelte, Sachsen und Berliner noch nie "Freunde" waren, hat man für den etwaigen Konfliktfall schon mal vorgebeugt. Aprobo Konfliktfall: Als im August 1968 die Russen in die Tschechoslowakei einmarschiert sind, war es auch für uns aus mit lustig. Mit unseren 3 Wasserwerfern wurden wir nach Berlin abkommandiert, wo wir aus heutiger Sicht auch gegen friedliche Demonstranten (meist Studenten aus der Tschechoslowakei) vorgehen mußten.

Viele Grüße an alle  welche sich an diese Zeiten noch erinnern können, von dem G5 Fahrer mit Spitznamen Anakonda, aus dem Arzgebirg.